Geschichtliche Eckdaten der Basler Fasnacht

Der Urkern der Fasnacht geht weit bis in die Römerzeit zurück – vermutet man, doch zerstörte das Erdbeben von 1356 einen grossen Teil unserer Stadt, wo auch die meisten Urkunden ein Raub der Flammen geworden sind. So können wir nur bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts zurückgreifen, um die Geschichte der Basler Fasnacht zu erfassen.

1376 Die älteste bestehende Urkunde berichtet von der «bösen Fasnacht» und zwar am Tag vor Aschermittwoch, als die Österreicher in unserer Stadt blutige Spuren hinterliessen. Mit der Reformation 1529 wurde die Basler Fasnacht auf Montag/Dienstag/Mittwoch nach Aschermittwoch gelegt. Dass im 18. Jahrhundert die Fasnacht nicht unterging, ist ein grosser Verdienst der Zünfte, die, wenn immer möglich und von der Regierung nicht verboten, Umzüge veranstalteten.

1832 Sind die ersten Bänkelsänger erwähnt, deren Vorläufer die Schmäh- und Spottlieder aus dem 16. Jahrhundert sein dürften. In Basel Schnitzelbanggsänger, oder noch korrekter «Schnitzelbänggler» genannt. Heute gibt es 67 Gruppierungen (27 Comité, 13 BSG, 9 VSG, – 10 Bängg fir Basel, 8 Bebbi Bängg) diese kann man jeweils am Montag- und Mittwochabend sehen, wie sie von Lokal zu Lokal ziehen und – wie übrigens alles an der Fasnacht – natürlich im Basler Dialekt ihre Verse vortragen. Daneben gibt es auch verschiedene «Wilde Schnitzelbänggler» die nicht organisiert sind und täglich ebenfalls umher ziehen.

Doch zurück zur Geschichte:

1835 Erstmals offiziell erlaubter Morgenstraich ab 04.00 Uhr. Durch das Verbot offene Fackeln zu tragen, kommen 1845 die ersten Steckenlaternen auf und 1860 wird zum ersten Mal eine grosse Zugslaterne mitgetragen.

1910 Gründung eines unparteiischen Fasnachts-Comités, welches diskret im Hintergrund wirkt, und die Interessen der aktiven Fasnächtler wahrnimmt. Zur Finanzierung der Fasnacht wird 1911 erstmals eine Plakette (bitte nicht Festabzeichen, Narren- oder Karnevalsorden) kreiert und verkauft. Ich empfehle Ihnen auf alle Fälle, eine solche Fasnachtsplakette gut sichtbar zu tragen, um nicht als krasser Aussenseiter aufzufallen. Nebst den drei traditionellen Ausführungen in Kupfer zu 8 Franken, in Silber zu 16 Franken und Gold zu 45 Franken gibt es auch eine kleinere Version das als Schmuckstück getragen werden kann, darum wird sie auch Bijou genannt und diese kostet 100 Franken. Jedes Jahr wird diese Plakette von einem einheimischen Künstler gestaltet und vom Fasnachts Comité unter ein Motto gestellt.

In diesem Jahr wählte das Fasnachts-Comité aus 88 eingereichten Entwürfen den Vorschlag von Tarek Moussalli, einem freischaffenden Grafiker und Gestalter, aus. Er ist unter anderem auch aktiver Fasnächtler  sowie Laternenmaler. 63 Künstlerinnen und Künstler – natürlich praktisch alle Basler mit starker Beziehung zur Fasnacht – beteiligten sich am anonym gehaltenen Wettbewerb.

Die Fasnachtsplakette 2015 steht unter dem Motto « Mer basse in kai Schublaade» oder zu gut Deutsch, « Wir passen in keine Schublade». Dass das Schubladenmöbel eine Ähnlichkeit mit dem neuen soeben fertig gestellten Roche Turm, des Chemiekonzerns (dem höchsten Hochhaus der Schweiz) aufweist, ist sicher nicht zufällig. Die traditionellen  Fasnachtsfiguren wie «Ueli, Alti Dante, Dummpeeter» und der «Waggis» symbolisieren die Vielfalt und Tradition der Basler Fasnacht und lassen sich in seiner Individualität nicht in eine Schublade zwängen.

All diese Erläuterungen sind jedoch an dieser Stelle nicht so wichtig. Wichtig ist nur eines, man trägt diese Plakette als Eintritts Ticket zur Basler Fasnacht gut sichtbar am Revers.Während den Fasnachtstagen steht auf dem Marktplatz einer der Stände, «Comité-Insel» genannt, wo Sie sich eine besorgen können. Dies empfehle ich Ihnen – wie schon gesagt – denn damit ersparen Sie sich, immer wieder als nicht Dazugehöriger angegangen zu werden.

Zurück zur Geschichte:

Trotz des weit in die Vergangenheit reichenden Ursprungs der Basler Fasnacht möchte ich präzisieren, dass die Form, wie die Fasnacht heute abläuft, nur etwas mehr als 100 Jahre alt ist. Wobei immer wieder festgestellt werden kann, dass sich die Fasnacht fast wie von selbst jeweils der Zeit anpasst, ohne jedoch ihren ureigensten Charakter zu verlieren. Zwischen 1915 bis 1919 und 1940 bis 1945, das heisst während des 1. und 2. Weltkrieges fanden keine Strassenfasnachten statt und 1920 wurde wegen einer Grippeepidemie die Fasnacht um 4 Wochen verschoben. Soweit einige Schwerpunkte aus dem Archiv.

In diesem Jahr findet der «Morgenstraich» am Montag 23. Februar um 04:00 Uhr. (Wie jedes Jahr sechs Wochen vor Ostern) statt.