BSG-Schlussoobe: Nicht nur das Essen war fein

1. März 2015 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Unter dem Motto „Klein aber fein“ präsentiert sich die Basler Schnitzelbangg Gsellschaft an ihrem Schlussoobe 2015 in den Rasser-Theatern und im Sperber des Hotel Basel. Es sind zwar nur gerade elf Formationen, welche noch einmal ihre besten Verse singen, aber weniger ist hier sicher mehr. Nebst ein paar echten „Spitzebängg“ herrscht im grossen Durchschnitt  ein gutes Niveau; Ausreisser nach unten, wie man sie in der Vergangenheit auch schon erleben musste, gibt es erfreulicherweise nicht. Ebenso erfreulich ist die Qualität der Rahmenprogramms – und des Essens

Glücklicherweise ist es nicht wie an der Fasnacht selbst oft: Dass man zum Schnitzelbank-Hören ein teures Essen mitbestellen muss, um dann festzustellen, dass die kulinarische Qualität mit dem Preis bei weitem nicht mithält. Bei der BSG hat man am Schlussoobe die Wahl zwischen „nur“ hören im Fauteuil oder Tabourettli oder mit Essen im Kaisersaal respektive im Hotel Basel – beide Varianten bieten ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das liegt neben dem Kulinarischen natürlich vor allem an den Bank-Formationen selbst, die bei ihren letzten Auftritten der Fasnacht 2015 nur noch ein „best of“ bieten und nach drei anstrengenden Tagen auch wissen, was ankommt und was nicht.

Es gibt naturgemäss viele sich wiederholende Themen, wobei der Basler Bau(stellen)direktor die Nase ziemlich weit vorn hat, etwa bei den Babberlababb:

Wäg deere Unterflur-Entsorgig gits Beschwäärde
Derbyy wärs suuber, Deggel uff und unter d Äärde
Nur bim Wessels klappt das nit, es isch zum gruuse
Will wenn dää d Klappe uffmacht kunnt dr Abfall uuse

Zur gleichen Problemstellung haben die Bebbi-Buebe eine andere Lösung:

Dr Bebbi Sagg gheert uff e Boode
Nai – in d Mulde, das isch Moode
Es wird im Groossroot diskutiert
Wo me dä Sagg denn jetzt blatziert
Mir hätte e Leesig, wo sicher wuurd glingge
Määrggli druff – und Boscht sells fuurt bringe

Der absolute Hit bei den Bänkler ist und bleibt aber 2015 das Selfie, sei es von Angestellten im Bundeshaus oder vom Badener Stadtammann. Diese Themen wurden so breitgetreten, dass man das Wort „Gerry“ nun wirklich bald nicht mehr hören konnte. Darum hier nur ein „Müschterli“, nämlich vom Warmduscher:

Me machts in Städt wie Zug und Baade – alli mache mit
Me machts au als Poliddigger, döört ischs schynts grad dr Hit
S befriidiget, s isch geil und mängmool duets soo richtig grache
und s bruucht au nit vyyl Lüüt derzue – s kaa jeede Selfies mache.

Schöne Wortspiele werden in den Schnitzelbänken leider immer seltener – die Emigrante machen eine gelungene Ausnahme:

Vo Langlauf und Cologna-Clan,
Nur in dr Staffle git s nit vyyl,
Dr Dario ergläärt im Zyyl,
Es syg halt so, me miess verstoo,
Si glai Brueder waggsi noo.

Einen 2015 eher weniger Erfolgreichen der nordischen Schidisziplinen haben sich die Rätschbääse ausgesucht – und hier wird exemplarisch die Kunst zelebriert, die Pointe erst im allerletzten Teil offenzulegen:

Uff em Fluugblatz gitt ain Groossalaarm, e huuffe Lyt verschregge
d Fyyrweer duet die ganzi Bischte grad mit Schuum bedegge.
E Lootse vor sym Bildschirm sait mit gfasster Stimm: „Verstande!
Alles isch baraad, dr Simon Ammann ka jetz lande!“

Ebenfalls exemplarisch hört man dies bei den Unerheerte:

Am ne Gotthardtunnel Fescht bin ych bim Ässe
Näb dr Bundesreetin Doris Leuthard gsässe
S goot uf kai Kuehut wievyyl die duet schneere
Jä kai Wunder wott die Frau e zwaiti Reere

Die Gsalzene brillieren meist mit ihrem Langvers am Schluss zur Melodie des „Kriminal-Tango“; so auch dieses Jahr, aber sie haben auch einen „halblangen“ Vers, der sitzt:

S gitt beesi Gricht in unsrem Land: Dr Fuessball machi dumm
Doch Schutte isch e Läbensschuel – mir saage Eich worum
Bi de Dääge-Brieder leersch mit Finger rächne bis uff drei
Dr Herr Busacca zaigt s’Rasiere mit em neie Freistosssprey
Bi Luzärn do lersch als näggschts mit Niiderlaage feertigzwärde
Bim FC Sion usserdäm: S gitt nur ai Gott auf dääre Äärde
Bi GC-Haimspiil kasch im Staadion s’Ainsamsyy drainiere
Uff em Brügglifäld in Aarau denn no Aggerbau studiere
Und bim FCB im Joggeli isch jede gärn drbyy
Wo aimool in sim Lääbe wetti Schwyzermaischter syy

Gerade bei Veranstaltungen wie einem Schlussoobe besteht die Gefahr, dass sich ein Sujet auch bei tollen Pointen totläuft, wenn dasselbe Thema zum xten Mal ausgespielt wird. Die Haiggle sprechen das Problem an und lösen es gleich elegant:

Sujet git s, do dien alli Bängg e Värs druff dichte
Drum dien mir uff Conchita Wurst und dr Geri Müller verzichte
Well die baide daile sich nur ai Aigenaart
Baidi Würscht draage Baart

Und dann wird wieder mal wird der berühmte Anggebliemli-Klassiker rezikliert, dieses Mal von den Laggaffe:

Hieber Hieber Hieber Hieber Hieber
Hieber Hieber Hieber Hieber Hieber
Hieber Hieber Hieber Hieber Hieber
Noch em Mindestkurs, kaufi dert no lieber.

Der Star des vergangenen Jahres war Frau Länzli mit ihrem musizierenden Wäschesack. Auch ihr Jahrgang 2015 kann sich mehr als nur sehen lassen, der nachfolgende Vers ist sogar ein echter Brüller:

Sit Wuche schlugg i scho mit Fraid und das isch gar kai Hohn,
Jede Daag e glaini Doosis mit Teschtoschteroon.
Brischt verschwinde, dStimm wird tiefer, Hoorexplosion.
Jetzt fählt nur no e glaini Wurscht fir d Eurovision.

Eigentlich ist es für einen Schnitzelbank ein Armutszeugnis, wenn er Verse über „Zircher“ und „Schwoobe“ macht. Man kann sie aber auch gut machen, dann geht es durchaus. So mit der Fusions-Deutung durch Mac Väärs’s:

Das NAI zer Fusionsabstimmig
Das het uns zerscht gli iiritiert
Doch bim gnauere bedrachte
Hän mir dää Voordail schnäll kapiert
Do sin mir danggbar und s isch logisch
Das die vom Land so stimme mien
so blyybe 2 Kanteen wo uns no
zum Gligg vo Ziiri trenne dien

Weil die Anzahl Formationen der BSG in diesem Jahr nicht ganz abendfüllend war, lud man noch Gastbänke ein. Als sicherer Wert entpuppten sich da die Dipflischysser, die früher mal lange Jahre bei der BSG waren:

D Albaner sinn Stolz uff ihr Heimatland
zeige Doppeladler mit gryzter Hand
sehr stolz sinn au die vo Baselland
ihr Zaiche isch die hohli Hand

Und jedes Mal ein Erlebnis ist die vermeintlich altersschwache „Dame“, die es aber faustdick hinter den Ohren hat, das Rollaator Röösli:

Unsri BVB, die muess me eifach loobe
Die mache dr Yykauf zem Erlääbnis bi de Schwoobe
Y stegg dr Rollaator – zack – ins Gleis, s isch amme geil
Denn kunnt dr 8er und dä stoosst my bis uff Weil

Und eine echte Überraschung war der Gastbank D Gryysel, die mit einer Orgel (!) auftreten und der Meinung sind, dass bei Selfies des Bundesrates die Kleider nicht stören; man wisse auch so, dass darunter „Pfyffe“ seien.

Nicht vergessen wollen wir das fasnächtliche Rahmenprogramm mit dem Piccolo-Trio Zitterpflyttli und den Improvisante, die schon das Ridicule rockten und auch diesen Abend schön abrundeten. Alles in allem: Ein gelungener Abend und ein ebensolcher Abschluss für die Bänkler wie für das Publikum.

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