Rendez-Vous mit den Krach-Schnygge!

25. Februar 2015 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Für den Dienstagabend, der im Zeichen der Guggemuusige steht, habe ich  mich bei den Krachschnygge eingeladen. Ich darf sie begleiten bis hin zum Auftritt auf der Märtplatz-Bühni. Was für eine Ehre und – vor allem – was für ein einzigartiges Erlebnis!

Ich treffe sie an der Clarastrasse, bei der Stuubede von Hedi. Die heimliche Cliquenmutter empfängt die Schnygge im Stuhl beim Eingang zu ihrer gigantischen Wohnung. Die ganzen Schnygge haben darin Platz, werden verwöhnt mit Käse, Brot, Wein und Bier. Dominik, der Obmaa, begrüsst mich. Wir werden noch ein paar Momente bei Hedi bleiben, bevor es dann zum Sternmarsch geht. Der Umtrunk bei Hedi, welche diesen Anlass seit 20 Jahren macht, dauert zwei Stunden. Hedi erzählt von „ihrer“ Gugge, als wären das alles ihre Söhne.

D Schnygge machen sich auf den Weg zur Mustermesse, wo sie sich für den Abmarsch zum Sternmarsch bereit machen. Vorneweg marschiert die Abteilung „Vortrab“. Bei den Krachschnygge ist das quasi eine „Clique in der Clique“ geführt von Trudi, die den Vortrab (alles Frauen in der Männergugge) vor 30 Jahren gegründet hat. Früher war das eine separate Abteilung, die niemals – ausser der Fasnacht und den Bummelausflügen – etwas mit den Männern unternommen hat. Der neue Obmaa, so erzählt Gabi, sei aber interessiert, dass die Abteilung etwas mehr integriert ist. So werden heute alle Anlässe, von der Waggiseinkleidung im Drei König bis  zum Bummelsonntag gemeinsam begangen.

Zu sehen sind auch die Wellen-Bengel e.V.! Eine Art „Narrenaustauschprogramm“ mit einer Narrenzunft aus Deutschland. D Schnygge gehen jährlich einmal auf einen Ausflug an das närrische Treiben nach Kenzingen. Dabei entstand eine Gegeneinladung: So läuft heute Ulla mit ihren 5 Hexen (worunter zwei Narrenlaufmeister) im Harst der Schnygge mit. Sie kommen eigen gekleidet und laufen das ganze Fasnachtsprogramm mit. Das Comite habe die Daumen hoch gehalten, als die Vortrabchefin Trudi den Comite-Mitgliedern von den Gästen aus Deutschland erzählt habe.

Vor dem swissótel stellen sich die Schnygge auf. Es ist definitiv der Morgestraich der Guggen. Anspannung, Vorfreude und plötzlich der Pfyff des Major Hampe. Die Schlaggruppe beginnt mit dem für die Schnygge typischen ultralangsamen Marschrhythmus. Und rein geht’s in die Clarastrasse Richtung Mittlere Brücke und Marktplatz. Vor dem Haus von Hedi grüsst der Major drei Mal in Richtung Fenster, wo Hedi ihren Schnygge zuwinkt. DAS PUBLIKUM STEHT VIER REIHEN DICHT UND ES SIND TAUSENDE. Ein gewaltiger Corso von Dutzenden von Guggemuusigen bewegt sich ohne Stau bis zum Marktplatz. Ich gehe im Nachtrab, direkt hinter Patrick, dem Susaphon hinten links. Er ist ein begnadeter Aussenläufer, bringt das Publikum mit seinen Tricks und Gags während des Laufens zum Lachen. Weitere 20 Nachträbler begleiten uns. Wir erreichen den Marktplatz, dort biegen d Schnygge nach links zur Schlüsselzunft, wo man den Halt vor dem Auftritt macht.

In der Pause setze ich mich zu ein paar Krachschnygge und erfahre viel. Es seien ein paar Deutsche dabei, klärt mich Andi B. auf. Das sei aber nicht schlimm… Andi ist sowieso ein begnadeter Vermittler der Schnygge-Stimmung. Er erzählt Geschichten und fühlt sich sichtlich wohl in diesem Verein: „E glatte Siech“, sei er. Und ich stimme zu

Nun kommt der Moment, wo sich die Gugge in Richtung Bühne vor dem Rathaus begibt. Wieder ein Morgestraich-Moment, wo man wartet, bis man auf die Bühne darf. Die Aufregung ist gross: „Wär stoot wo? Wo mien d Häggsen aane? Wär hett d Petarde? S Färnseh isch do!“ Plötzlich geht’s los, d Krachschnygge betreten die Bühne. Sie spielen drei Stücke:  „dr Hudigäägeler, Gloria und Drummeli“ und die Frauen im Vortrab feuern im letzten Stück Räppli-Petarden ab. Das Publikum auf dem Platz johlt vor Begeisterung. Trotzdem: Vögi, der ehemalige Musikchef ist nicht zufrieden. Und Hampe, der Major, wird mir beim nächsten Halt erklären, dass das letzte Stück „nicht gut war“.

Nach der Bühne sammelt sich die Gugge und marschiert in die Falknerstrasse, wo sie ein Platzkonzert gibt. Wären wir beim EHC,  würde man von 800 Zuschauern sprechen. 400 waren es sicher…. Das Konzert tönt fantastisch. Kaum zu glauben, dass diese Gugge auf der Suche nach Schlagzeugern und Bläsern ist…

Unter den Vortrab ist auch eine rote Figur, die optisch nicht so recht in die Gruppe passen will. Es ist Remo, ein „Untersuchungsbeamter aus Laufen“, der Montag und Mittwoch die Schnygge-Ladäärne zieht. Er darf mitlaufen und ist von „seiner“ Gugge total begeistert, obwohl er sich viele „Landschäftler“-Sprüche anhören muss.

Mein Abend mit den „Krachschnygge“ geht zu Ende. Sie werden sich im Schlüssel noch einige „Appenzeller“ genehmigen, bevor sie um halb zwölf in den Löwenzorn zum Imbiss gehen.

Es gibt an der Basler Fasnacht viele tolle Guggene, wo die Freundschaft untereinander hoch im Kurse steht. Dominik steht genau einer solche vor!

Merci, Schnygge, für die Gastfreundschaft und „e scheene Räschte no“!

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