Der Fasnachts-Mittwoch: Na also, es goot doch…

25. Februar 2015 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Es hat etwas gedauert, bis Petrus den Wetterwunsch der Fasnächtler erhörte, aber am letzten der „drey scheenschte Dääg“ war es dann endlich so weit: Unter prächtig blauem Himmel marschierten die Aktiven den Cortège ab.

Es wurde aber auch Zeit, dass die „Ganzkörperpariser“ in die Schränke zurück versorgt werden konnten. Am Fasnachts-Mittwoch dominierte oben nur eine Farbe: tiefes blau. Und nicht nur oben; der Gundeli Stamm kam von „G“ wie „Goschtym“ bis zu „Z“ wie „Zeedel“ in himmlischem blau daher. Mit dem Sujet „ifach waich“ beklagen sie den Konsumterror unter dem angebissenen Apfel:

e IPad ha isch fascht scho Pflicht
und wär kains hett, verliert si Gsicht
scho de Kinder duet me leere
dass me das Ding nit ka entbeere

Blau hat es auch den Gassegötter angetan, allerdings als Zustand: „Drei Dääg blau“ nennen sie vordergründig ihr „Süschee“, um dann aber entgegen den Empfehlungen des Fasnachts-Comité zu polemisieren:

„Drei Dääg blau“, aifach nuur göttlig! Götter verpflichte
Vor em Cortège diemer is stramm noo Mekka richte

Passend zur aktuellen Petrus-Superlaune kommt der Major der Schnuffer & Schnooge vo dr Alte Richtig als „Sünneli“ daher. Ihr Sujet lautet „Mir hänn kai Plan(et) B“ und auf dem Zeedel reimt es dazu

D Ärdkruschte, die wird als wie schmaler
und lechrig wien en Emmetaler.

„Schamlos“ präsentiert sich der Stamm der Seibi auf der Route, das Spiel als graue Ratten, der Major als Teddybär. Das alles sexualisiert wird und sich niemand mehr mit Schamgefühlen plagt, hätten sie schon vor 14 Jahren ausgespielt – leider sei das Thema aktueller denn je:

Buggt sich e Frau, no haisst’s scho unterschwellig
die iebt grad fir e neyi Wunder-Stellig

Fasnacht soll und darf auch anderes als Wohlfühlstimmung verbreiten. So wie etwa bei der Alten Garde der Basler Rolli, deren Larven dem „Schrei“ von Munch nachempfunden sind. Auf dem Zeedel liest man unter dem schlichten Sujet „Angscht“:

Wär hett Angscht vor em schwarze Maa
au do isch e Fünggli Wohret dra
Iber schwarzi derf me nimme brichte
do losst me lieber d’SVP dryber richte.

Auch die Altersgenossen vom Dupf-Club plagt dieses Gefühl, und zwar die „Guugel-Angscht“:

Und wenn dr Bueb dr Babbe froggt: „woo kauf i daas am beschte yy?“
Denn sait dä numme: „Gang zem Guugel, y ha dir’s zaigt, jetzt schaff di dry.“
Dr Bueb macht das ganz ooni z dängge
und s Hirneli het nyt me z due
ÄR iibernimmt das, duet en längge
und gwinnt drbyy e Seel drzue

Dann gibt es bei allen Mainstream-Sujets auch immer wieder Gruppen, die auf etwas ganz anderes stossen. So das Wundergiggli, das sich fernöstlich gibt. Der Zeedel bringt die Auflösung, man feiert „Konnichiwa und Griezi, 150 Joor Schwyz-Japan (buchstabengetreu abgeschrieben…):

E bolitisch Frintschaft diemer pflääge
und das mit Japans Kaiser’s sääge
E roote Dùpf zmittst iir Faane
lòsst die uffgeend Sùnne eraane.

Auch die Rotznaase haben ein seltenes Sujet mit „Dr Freystooss-Sprey“ und setzen dieses herrlich um:

Dr Fuessballprofi duet jezze au froologge
wenn iiri Logge nimm richtig hogge
duet dr Schyyri e Spruzz uss em Deesli verdaile
und dr Ronaldo kha sich ganz ney staile

Dass es Exilbasler gibt, die in Zürich leben, aber hier an der Fasnacht den Cortège laufen, ist recht bekannt. Etwas weniger bekannt ist, dass es mit den Mutze-Bebbi Bärn auch ein Pendant in der Bundeshauptstadt gibt. Sie laufen dieses Jahr als Gartenzwerge und befürchten, „Mir schotte-n-uns ab!“:

Zem NYT me GSEE steggt s ganzi Land
Im Kollektiv dr Kopf in Sand.

Zum Schluss noch einen Vierzeiler aus dem Zeedel der Bajass-Clique. Die haben gar keine Freude an den Bestrebungen, die Basler Fasnacht zum UNESCO-Weltkulturerbe zu machen:

Die mache nit emoll – yskalt –
vor unserer Basler Fasnacht halt
Die isch zwoor toll und vylerlei
nur wämmer die für uns elai

Das wärs mit der Berichterstattung über den Mittwochs-Cortège. Jetzt heisst es auch für den Berichterstatter: Ab auf die Piste und die letzten Stunden der Fasnacht 2015 geniessen. Sollten wir uns in einer der Gassen sehen, dann: Gäll, mir nämme no aine! Und sonst halt die Formel, die man anscheinend schon kurz nach dem Morgestraich austauscht: E scheene Räschte!

Weitere Bilder vom Cortège in unserer Bildergalerie.

Kommentare sind geschlossen