Underwäggs am Zyschtignoomidaag

24. Februar 2015 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Der frühe Zyschtig Nachmittag gehört eindeutig dem Kleinbasel. Während es im Grossbasel noch etwas still zu und her geht, rockt das Kleinbasel. Die Guggen hängen zum Teil noch im Zugsgoschdym umher oder haben sich schon umgezogen, parfümiert und die schönsten aller Goschdyme der Fasnacht angezogen.

Auf der Brücke begegnet mir eine Formation in schottischen Kilts, mit schottischer Musik und schottischen Larven. Ich tippe auf einer der beiden gängigen Schotte-Cliquene in Basel und tippe falsch. „Kilts“ heisst diese Formation, die in beachtlicher Grösse gegen das Grossbasel zieht. Ich vermute eine weitere Abspaltung von den Schotte und hoffe, dass die wenigstens noch ein paar Spieler übrig haben…

Nur Momente später werde ich für meine frevlerischen Gedanken bestraft. D Original-Schotte fallen in die Greifengasse ein und lassen keinen Zweifel, wer hier das Spielen hat. Grandioses Bild! Gefolgt von einem Harst grün-roter Ueli, alle etwas kurz gewachsen. Der Blick auf die Trommel sagt warum: Die einzige Basler Kindergugge „Barbarossa Binggis“ mit knapp 30 Spielern unterwegs zum Claraplatz. Dann kommen noch die Grachsymphoniker, seit 50 Jahren en route. Dazwischen eine Gruppe namens OFG. Sie machen mit einem gewaltigen Bild Furore: 15 alt-römische Soldaten trommeln und pfyffe um eine einzige Obelixfigur. Herrlich.

Auf dem Weg zur Wagen- und Requisitenausstellung sehe ich mehrere Waggiswagen, die sich am Dienstag in den Dienst der Jugend stellen: z.B. d Chegel-Waggis. Der Obmaa Chris hält eine Ansprache an rund 40 Kids von Passiven, die unten am Wagen stehen. „Also, d Organge wärde nid gworfe, numme uusegäh“. Nach einigen weiteren Instruktionen (z.B. wie der Waggis mit dem Finger auf Leute zeigt: „Machet dr Waggisfinger, Kinder!“) werden die Kids der Grösse nach auf den Wagen verpackt und los geht’s in Richtung Märtplatz. Nach 50 Metern knallt die erste Organge einer ältern Damen an den Hut…

Eine ähnliche Kinder-Übung veranstalten in diesem Moment auf dem Claraplatz d Gassebrieder, d Chalet Rueche oder d Rhyhaafe-Binggis. Die haben sich einen Tatzelwurm von 5 Wagen gebaut, die von einem Traktor und vielen Helfern begleitet wird. 36 Kinder strahlen um die Wette. Den Wagen-Clique gebührt dafür einen Dank.

Die Wagen- und Requisitenausstellung ist zum Festplatz avanciert. Wer hierherkommt um Wagen zu besichtigen, wird schon verdächtigt, einer vom „Comite“ zu sein (Lälli…). Auf den Kasernenplatz kommt man um ein Ständeli zu geben (sofern man eine Gugge oder eine Clique ist), oder sich an einem der zahlreichen Festgarnituren nieder- und sich verpflegen zu lassen. Da werden Würste gebraten, Fondue gerührt und die GaGGei-Waggis braten einem ein schönes Spiegelei.

Auf dem Wagen der Lälli-Clique steht geschrieben: „Dr Selfie Wahn – Tadellos, Masslos, Hirnlos!“. Ja und nun dürfen Sie drei mal raten, welches Lied in respektloser Lautstärke von diesem Wagen runter donnert: „ATEMLOS“. Passend, sehr passend…

Vor dem Kasernenareal, direkt beim Hotel Balade (welches eigentlich in diesen Tagen Grytte-Hotel heissen sollte. Nicht wegen des horizontalen Gewerbes, welches auch in diesen Tagen floriert, nein, weil der Grossteil der Zimmer durch Schränzgrytte gebucht ist. Was sie auch mit Flaggen an den Fenstern zeigen), also bei diesem Hotel beginnt Wessels neue „Begegnungszone“. Und tatsächlich: vor dem Adler begegnen sich Gugge, Clique und Dirnen. Sogar auf dem Dach des Altersheims wird gefeiert. Alles unter 20 km/h und ohne Motor… D Chriesibuebe biegen um die Ecke. In deren Reihen trommeln eine Handvoll echter Holländer, die an diesen Tagen nach Basel kommen um zu trommeln. Sie fallen auf, weil ihre Goschdym entweder Oranje sind oder aussehen wie Porzellantassen aus Delft.

Bei den Damen des käuflichen Liebesleben, die den vorbeiziehenden Chriesibuebe mit neidischen, wunschvollen Blicken hinterher schauen, herrscht Hochbetrieb. Wohl nicht unter der Bettdecke, aber dennoch auf der Strasse. So viele potentielle Kunden hatten die schon lange nicht mehr in der Gasse. Und erst noch so lustig angezogen… So lässt sich die Szene beobachten, wie der Major von den Vorstadt-Hyyler, im Majorkopf auf dem Weg zum Sammelplatz seiner Gugge, durch den Haufen wildgewordener Damen stolziert. Er weist alle Angebote mit einem herzlichen Gruss ab und lässt die Liebesdienerinnen unbeschäftigt stehen.

Auf dem Rückweg ins Grossbasel wird es eng. Nun hat es definitiv mehr Leute als am Montag. Das Wetter hält. Es ist grau, aber trocken. Es begegnet mir noch d Negro Rhygass, die sich ebenfalls, im Zeichen des Kindernachmittages, durch Kinder begleiten lässt.

Zurück an der Basis im Hotel Basel: Noch ein Blick auf den Regenradar. Gemäss dieser Voraussage bleibt es bis 04.30 heute Nacht trocken… Na, dann wollen wir das mal so entgegen nehmen und freuen und auf einen Abend mit Guggenkonzerten und trockenem Wetter

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