Ich bin eine Ladäärne – da schaut noch was raus!

23. Februar 2015 | Von | Kategorie: Nachrichten

Es ist Sonntag Abend vor dem Morgestraich. Ich will noch in die Stadt um ein paar Ladäärne zu sehen, oder eben nicht zu sehen. In der Fasnachtsschulung der Jungen Garde Schnurebegge hat man mir vor 45 Jahren beigebracht, dass „d Ladäärne zuedeggt wäärde, ass me s Sujet erscht am Määntig seht“. Ich habe mich dazumal noch nicht getraut zu fragen, warum man denn alles vorher im Rädäbäng lesen kann … und so glaubte ich das und wollte heute mal sehen, wie das denn 2015 gehandhabt wird.

In der Eisengasse stehen die Versoffene Deecht, die auch schon mehr waren, und zeigen ihre Ladäärne und die Sujets. Auf dem Märtplatz stellen sich gerade d Mutschgetnüss auf, die haben die Ladäärne verhänggt, aber Sujet und Cliquennamen lässt man offen. Von der Freienstrasse her kommt der Monsterzug mit den Pfluderisektionen. Drei unverhüllte Ladäärne, dazu tanzende Träger (die verrückten Kerle drehen sich mitsamt der Lambbe einmal im Kreis). Nix verhüllt, voll offen und mit 70 PfyfferInnen wunderbar begleitet.

Auf dem Barfi stehen die drei Ladäärne der Rhygwäggi, halb verhüllt und auch die Basler Rolli sind nicht konsequent. Lieblos hängen ein paar Fetzen Stoff über den Ladäärne. Wie wenn man sich nicht ganz einig war, ob verhüllen oder nicht. Dann kommen – aus der Steine – d Schnoogekeerzli. Die Lambbene sind verhüllt (logisch, Mitglieder des Fansachtscomites laufen mit). Ihr Name ist auf den Ladäärnehüllen aufgedruckt. Es kommen über 100 Pfyffer daher – ein Gewaltszug. Die Märtplatzclique verhüllt nur die Flächen und zeigt somit, worauf es heute ankommt: Das Bild soll erst beleuchtet rüberkommen. D Syttewändli zeigen ist heute ok. Lassen wir das mal so gelten. Es ist sowieso kein Gesetz und da kann jede Clique machen, was sie will. Am Schluss kommt noch die Lambbe der Basler Bebbi. Sie wird zu reden geben: Die Vorderseite ist unverdeckbar, weil 3D und die Hinterseite … ja die, hätte man vielleicht verdecken sollen. Manche werden sich wünschen, dass sie auch am Cortege verdeckt geblieben wäre.

menukarteGenug Ladäärnen. Jetzt noch ein Bier auf die Nacht. Ich entscheide mich für die „Ladäärne-Yypfyffe-weisch-wie-schön-das-döönt“-Gegenwelt: Im alten Schluuch wird gefeiert, Fischer singt „Atemlos“ und Gölä gibt den „Weissen Schwan“. Die Gäste singen mit. Schnurebegge, Seibi (Alti Garde), VKB – alle sind sie da, rauchen trinken und warten auf den Moment, um nach Hause zu gehen um sowieso nicht zu schlafen. Zwei meiner Tischnachbarn verabreden sich zum Kamasutra-Workshop nach der Fasnacht und meine Nachbarin rechts, eine Österreicherin in Basel, rechnet sich anhand der Zettelchen aus, ob sie sich noch einen Kaffi Fertig leisten kann. Sie kann. Der „alte Schluuch“ im Glaibasel ist nämlich eine jener Fasnachtsbeizen, die während den Basler Festtagen nichts ändert. Auch nicht die Preise. Ich verlasse diese wunderbar schräge Welt und freue mich auf morgen.

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