Fasnachts-Montag (II): Grau war nur der Himmel

23. Februar 2015 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Praktisch alle Fasnächtler konnte – ja musste man an diesem Montag-Nachmittag als „Verschiffte“ bezeichnen. Petrus meinte es alles andere als gut. Aber grau präsentierte sich ausschliesslich der Himmel. Die Cliquen, Guggen und Wagen zeigten sich in prächtigen Farben und vom Wetterunglück völlig unbeeindruckt. Dafür gab es am Strassenrand mehr Platz: Die Zuschauer waren deutlich weniger wetterfest als die Aktiven.

Das Motto war von Cortège-Beginn an klar: „In jedem Fall e Blastigg drum“; die Ganzkörper-Pariser dominierten den Zug unübersehbar. Darunter kam aber die kreative Wucht der Sujets trotzdem perfekt rüber. Und den Laternen und Requisiten war das Himmels-Schütten ohnehin wurst. Schwieriger war es schon mit den „Zeedel“, die man schnell ins Trockene bringen musste, um noch etwas lesen zu können.

Es ist dem Schreibenden das eine oder andere Mal gelungen. So etwa beim Werk der Loge Clique, welche das im vergangenen Jahr abgesoffene Baggerschiff „Merlin“ ausspielt und auf dem Zeedel selbstkritisch anmerkt:

Dä Kiesschlappe Merlin sich gradwägs abgsoffe
Das isch, muess me sage, sälte dumm gloffe
D’Loge het ihr Sujet nach dämm Sujet benennt
Will sie das mit em Absuffe ebenfalls kennt

Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass der Chronist jedes Zeedel-Zitat so abschreibt, wie es dort geschrieben steht. Reklamationen wegen angeblich falscher Baseldytsch-Schreibweise also bitte an die Autoren, nicht an den Chronisten…

Das missliche Wetter vorhergesehen hatte anscheinend der Zeedel der Breo. Da er die Clique verlassen und sich ohnehin selbständig gemacht hat, „rappt“ er sich selbst auf dem Internet und man muss  ihn  gar nicht lesen, sondern kann ihn hören. Modern, modern!

Mit einem modernen Thema – oder ist es eher ein Unwesen? – beschäftigt sich der Stamm der Glunggi – und liegen da absolut im Trend. Multimedia ist das am meisten ausgespielte Sujet der Basler Fasnacht 2015 – und bei den Glunggi heisst das: „Losch die au ver-ÄPP-le?“:

ÄPP’s bestimme hit dr Lääbesoobe
das ellai sich gaischtig scho verschoobe
S’gitt ÄPP’s emänd fir jedi Froog
das goot uf d’Närve – s’isch e Bloog

Nicht ganz wettertauglich die Idee der Basler Bebbi, die mit dem Sujet „Wir wollen die Mauer“ aus Kartonschachteln tatsächlich hohe Mauern errichten. Nur dass diese immer nässeren Schachteln wohl kaum den ganzen Cortège überstehen. Dem Rädäbäng entnimmt man, dass die Clique einen guten Draht zu Mike Shiva hat. Dort liest man nämlich: „die wo pfyffe häng e Wasserschaade“.

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Aber zurück zu den Zeedel. Die nicht fusionswilligen Baselbieter beschäftigen immer noch die Alte Garde des Barbara Clubs:

S Theater z Basel duet nüt nütze
drum düe mers au nid unterstütze
Mir hei doch schliesslig ab und zur
im Baselbiet Theater gnue

Auch eine alte Garde, aber dieses Mal die der VKB, nervt sich über undisziplinierte Velofahrer. Die Pfeifer kommen als König (Wessels?) daher, die Tambouren als (Platz-)Hirsche – und reimen:

e Pseudo-Mercks rast und – wie nyt –
verschreckt dert Kinder und alti Lit
wo fridlig spaziere und mit begriffe
ass die uf d Stroosseverornig pfiffe

Und wir bleiben bei den älteren Aktiven. Die BMG Runzle, die zusammen mit der Alti Märtplatz laufen, trauern unter dem Sujet „Aadie Waggis“ dem Elsass nach, das bei der jüngsten Gebietsreform politisch unterzugehen droht.

Allons enfants de la Patrie
dr dernier jour isch arrivé
s Elsass sait – quelle Tragédie
syne Frind uff Wiederseh
und dä Abschied duet ys weh

Ein originelles und bislang sonst nicht gesehener Sujet spielen die Vorstadtgässler aus: Die im Eglisee-„Fraueli“ randalierenden Muslima:

Waas maine denn die bleede Fraue
vo Belfort, Altkirch, Liebenswiller?
Mir haige s Fraueli lo baue
als exklusive Muslime-Kniller?

Als herzige Schlümpfe haben wir dann die Junge Barbara gesehen, dies mit dem Sujet „Ei, ei ei“. Es geht um die Überraschungseier, die an jeder Supermarktkasse für Quengeleien sorgen. Der Zeedel spinnt den Faden aber weiter:

Bi däne Eier, wo nee d Katz im Sagt muess kaufe
duets ähnlig wie mit unsere Politiker laufe
d Wahlverspräche iiberrasche jewyls als grosse Hit
nur schad ass zem Umsetze z vyyl fuuli Eier git

Nicht gesehen haben wir die Fasnachtsgesellschaft Olympia 1908. Diese öffnete ja in diesem Jahr ihre Männerbastion und bietet vier Fasnächtlerinnen die Gelegenheit, einen Tag der anstehenden Fasnacht 2015 als „Olymperin“ zu erleben. Vielleicht hat dies zur Zickenkrieg geführt oder den Damen war das Wetter zu schlecht. Auf alle Fälle haben sie etwas verpasst. Um zwanzig nach vier kam nämlich die Sonne raus, was am Kleinbasler Brückenkopf der Mittleren Rheinbrücke zu spontanem Applaus führte. Allerdings hält sich hartnäckig das Gerücht, die Sonne habe nur Ausschau gehalten, wo sie danach „aaneschiffe“ will – und so geschah es denn auch.

 

Gesehen haben wir die Wagenclique Gnillefäger, die sich über den frühen Fasnachtstermin nerven. (Wie werden sie sich erst im 2016 aufregen…)

S Joor sich neu und d Hetzerei goot vo vorne los
Scho stehen mir schreiend mit de Blagette uf dr Stroos
Denn mien mir no schnäll e Keenigskueche poschte
und d Wiehnachtsschoggi well si nur no d Helfti koschte.

Weitere Bilder gibt es in unserer Bildergalerie.

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