Aus dem Grand Hotel «Les Trois Rois» wird das «Drei Waggis»

16. Februar 2015 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Seit dem Jahre 1754 thronen über dem Hauptportal des Grandhotel «Les Trois Rois» am Blumenrain die Statuen von Kaspar, Melchior und Balthasar. Diese werden seit nunmehr 40 Jahren durch die Wagenclique «Lufthyler-Waggis» am Donnerstag vor dem Morgestraich kostümiert. So werden aus den Königsfiguren die Drei Waggis Kaschper, Melchi und Balz. Eine Tradition, die inzwischen zum Grandhotel gehört wie der Rhein zu Basel.

Am Donnerstag 19. Februar 2015 ist es endlich wieder so weit: Die drei Könige über dem Portal vom Grand Hotel «Les Trois Rois »werden auf die Fasnacht hin in Waggiskostüme eingekleidet. Das Ritual ist immer dasselbe. Um 10 Uhr biegen die «Lufthyler-Waggis» in ihren traditionellen schwarz-weissen Kostümen auf dem offenen Saurer, einem alten Polizei-Überfallwagen in den Blumenrain ein. Ihnen folgt ein Löschzug der Basler Berufs-Feuerwehr mit der langen, ausfahrbaren Hebebühne. Mutige Männer kleiden dann in luftiger Höhe die Drei Könige in Waggis-Kostümen. So mutieren nach und nach König Kaspar, Melchior und Balthasar zum Waggis Kaschper, Melchi und Balz. Bis es so weit ist unterhält die Gugge «Krach-Schnygge» die hoffentlich zahlreichen Zuschauer mit fetzigem Gugge-Sound. Die Kinder füllen eifrig Karten aus, hängen sie an Luftballone und lassen sie für einen Wettbewerb starten. Kühler Weisswein, köstlicher Orangensaft, sowie heisse Kääskiechli werden von den Lufthyler-Waggis elegant auf Tabletts durch die Menge balanciert und dem eifrig zugreifenden Publikum offeriert.

Anschliessend gehen die geladenen Gäste ins Hotel. Höhepunkt des Apéros ist jeweils Heini Klauser, welcher früher als «Dr Schorsch vom Hafebeggi 2» und nun als «Dr Bläsi Schüll vom Bläsiring» mit seinen tollen Versen immer viel Beifall erntet. Und natürlich wird auch jedes Mal Pitt Buchmüller, Obmann der Lufthyler-Waggis von ihm kräftig auf die Schippe genommen. Dann begeben sich die mehr oder weniger Prominenten in den grossen Speisesaal zum Promi-Dinner wo wiederum Marcel Dogor vulgo Frau Roggenmoser die Gäste mit seinen spitzen Bemerkungen zum Lachen bringt.

Die «Lufthyler-Waggis»

Begonnen hat es 1974 im Restaurant Charon beim Spalentor. Dort gründete Pitt Buchmüller mit einigen Freunden die Wagenclique «Lufthyler-Waggis». Auf den Namen «Lufthyler» kamen sie, da viele Aktive zu der Zeit auf dem Flughafen Basel-Mulhouse tätig waren. Zwanzig Jahre lang waren sie am Cortège dabei. Dann kamen sie zur Einsicht, dass immer mehr Wagen die Route verstopften, die Staus immer länger wurden und man sprachtechnisch den Basler Dialekt kaum mehr gebrauchen konnte. Den Schlusspunkt setzte ein deutscher Tourist mit Hut und Gamsbart. Als dieser die Hand ausstreckte und sagte: «Faschingsnarr, kann ich auch ein Programm haben?», löschte es ihnen endgültig ab.

Drei Könige sind leichter zu finden als elftausend Jungfrau

Zurück zur Verkleidung. Die Initianten waren Pitt Buchmüller, Obmann der «Lufthyler-Waggis» und Hanns Ulrich Christen (*1917, † 11. Januar 2003), bekannt als «-sten». Christen war ein mit der Stadt und der Region Basel verbundener Journalist, Satiriker und Schriftsteller. Er war Wein- und Gastronomie-Experte und schrieb mehrere Bücher. 1991 wurde Christen der «Ehrespalebärglemer» verliehen. Diese Preis wird Persönlichkeiten zuerkannt, welche die Stadt Basel über deren Grenzen hinaus in positivem Sinn bekannt gemacht haben. Neben der Ehre gibt es eine Platte im Boden des Spalenbergs auf welcher der Name des Geehrten prangt. Von Christen stammt der an einer Wand im Fasnachtsmuseum im Museum der Kulturen stehende Satz: «Das Allerschlimmste was einem Menschen an der Fasnacht passieren kann, ist: Dass er kein Basler ist!»

Anfangs 1975 traf Buchmüller Christen. Rasch waren sie sich einig, dass sie neben den üblichen Vorfasnachts-Veranstaltungen etwas Spezielles machen wollten. Der Vorschlag von «–sten», dass das Elftausend-Jungfern-Gässlein eine Attraktion wert sei scheiterte an der Tatsache, dass damals schon keine 11’000 Jungfern mehr zu finden waren.

Doch ganz in der Nähe lag ja das Hotel Drei Könige. «Der damalige Direktor Bernhard Amberg kam zu mir und meinte, dass niemand während der Fasnacht ins Hotel komme da die Leute grossen Respekt vor dem Nobel Hotel hatten. Er meinte, dass man vielleicht den Leuten die “Schwellenangst“ so nehmen kann, wenn das Hotel während der Fasnacht „Drey Waggis“ heissen wird», schreibt Pitt Buchmüller an Basler Fasnacht Online. So entstand die Idee, die Drei Könige über dem Portal in Drei Waggisse zu verkleiden. In diesen Tagen entwich bei der Firma Sandoz blaue Farbe, welche viele Autos «umfärbte». Die Lufthyler-Waggis machten dies zu ihrem Sujet. Der damalige Chef des Polizei- und Militär-Departements Regierungsrat Karl Schnyder wollte nicht, dass die Sandoz-Feuerwehr die Leiter zur Verfügung stellt. Deshalb konnten die Lufthyler-Waggis mit den neuesten Löschzug der Basler Feuerwehr die Verkleidung vornehmen. Aus dem damaligen Anlass entwickelte sich dann eine 40-jährige Tradition.

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