Charaktere der Basler Fasnacht (IV): Der Organisator

8. Februar 2015 | Von | Kategorie: e Hampfle Räppli

0514_basel_vorträbler_korr

Auch in einer Stamm- oder Wagen-Clique gibt es „Gugge-Fasnächtler“ – und damit sind nicht die Mitglieder der schränzenden Zunft gemeint (dort kommen sie aber auch vor). Und man will damit auch nicht mangelnde Musikalität ausdrücken. Nein, es ist der Typus desjenigen Vereinsmitglieds, das man eigentlich nur einmal vor der Fasnacht im „Käller“ antrifft, nämlich wenn die „Gugge“ mit dem Kostüm und der Larve verteilt werden. Ansonsten hat der beruflich und privat schwer Gestresste kaum Zeit für seine „Gschpäänli“.

Das pure Gegenteil davon ist der Organisator – und von dieser Charaktere soll hier die Rede sein. Im Gegensatz zu den „Gugge-Fasnächtlern“ tritt er eher vereinzelt auf – aber er wird gebraucht, und das weiss er auch.

Sein Betätigungsfeld ist vielfältig: Müssen Gaben für den Tombola-Tisch her, so wird er sein gewaltiges Beziehungsnetz einsetzen, um für ein reichhaltiges Angebot zu sorgen. Will sich niemand um den Bummel kümmern: Er wird Route und Ziel festlegen, bei einem Probeessen (man weiss das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden) sicherstellen, dass das Mittagessen exquisit ausfällt und dass alle Transportmittel so pünktlich bereitstehen, dass einem würdigen Abschluss in der Freien Strasse nichts, aber auch gar nichts im Wege steht. Plant die Clique ein Sommerfest, einen Lottomatch oder ein Ski-Weekend: Er steht schon da und sagt die berühmten vier Worte: „Y kümmere mi drum!“

Ganz wichtig im Umgang mit dem Organisator ist, dass man ihn dann auch wirklich machen lässt. Nichts verärgert ihn mehr, als wenn sich Obmaa oder Vorstand erfrechen, ihm reinzureden. Dann kommt schnell der Satz: „Entweder mache mir daas esoo – oder ihr miend Euch e andere sueche!“ Was die Einsprecher, wenn sie etwas Vernunft haben, sofort dazu bringt, die Vorschläge des Organisators mit einer mehr oder weniger resignierten Einverständnis-Erklärung abzusegnen oder wenigsten abzunicken.

Der Organisator ist auch selten ein Teamplayer. Wer sich auf andere verlässt, ist verlassen, sagt er sich. Allenfalls Helfer in einem OK, das er mit starker Hand führt, sind willkommen. Und besonders bei länger amtierenden Organisatoren wird nach den bewährten drei Grundsätzen der Bundesbeamten verfahren:

  1. Das haben wir immer so gemacht!
  2. Das haben wir noch nie so gemacht!
  3. Da könnte ja jeder kommen.

Es ist übrigens gar nicht so selten, dass der Organisator tatsächlich staatlich besoldet ist. Besonders Lehrer sind beliebt, die haben viel Ferien und Freizeit für solche Einsätze und im Ernstfall ein Sekretariat, das man noch mit Routinearbeiten belasten kann. Ausserdem kennt der Staatsangestellte meist Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Betrieb, die mit Dienstleistungen helfen können oder bei Bewilligungsanfragen wohlwollend sind.

Ist ein Anlass dann organisiert, gut abgelaufen und von allen ausser dem obligaten Kritiker (s. nächste Folge) entsprechend gewürdigt worden, dann lebt der Organisator auf. Er ist stolz seinen Teil zu einem erfüllten Vereinsleben beigetragen zu.

Nur sein sehnlichster Wunsch wird in den meisten Fällen auf immer unerfüllt bleiben: Nie wird man ihn fragen, ob er als Obma kandidieren will. Nicht, weil man ihm das nicht zutrauen würde – aber dann hätte man ja niemanden mehr, der all die Anlässe so perfekt organisiert.

Die Schweiz am Sonntag veröffentlicht eine Serie von Artikeln über die einzelnen Charaktere der Basler Fasnachts-Szene. Wir erhielten freundlicherweise die Erlaubnis, die Beiträge abzudrucken und veröffentlichen hier die vierte Folge. Nächsten Sonntag folgt die nächste. Gerne verweisen wir auf www.schweizamsonntag.ch Bereits erschienen:
Der Obmaa
Die Guggenmutter
Das Faktotum

 

Kommentare sind geschlossen