Charaktere der Basler Fasnacht (III): Das Faktotum

1. Februar 2015 | Von | Kategorie: e Hampfle Räppli

0514_basel_vorträbler_korrEs hat Hände, die nicht zum Spielen eines Piccolo gemacht sind, würden die Finger doch jeweils gleich drei Klappen auf einen Streich erwischen. Und auch beim Trommeln ist es nicht am richtigen Ort. Es fehlt am Rhythmusgefühl, dafür nicht an der Kraft, so dass die Schlepps zu schleppend und die Fünferrufe eher schreiend würden, dafür aber manches Trommelfell leiden würde (die der Instrumente und die der Zuhörerschaft). Es ist schlicht nicht zum Musizieren gemacht – wobei der sächliche Artikel eigentlich restlos fehl am Platze ist. “Es”, nämlich das Faktotum, dem hier die Ehre erwiesen werden soll, ist nämlich in den allermeisten Fällen ein sehr stattlicher “Er” mit kräftigen Händen, die zupacken können, und einem Körper, der nicht zu übersehen ist.

Arm dran ist die Clique oder Gugge, die nicht auf ein Faktotum in ihren Reihen zählen kann. Es zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass es praktisch alles machen kann, wofür sonst teure Dienstleistungen eingekauft werden müssten. Ist im Cliquenkeller ein Regal zu montieren, der Aufbau zum Waggiswagen zu konstruieren – das Faktotum kann es nicht nur, es macht solche Dinge auch gerne.

Wobei man dies nicht immer auf Anhieb merkt, vereinigt sich der Typus des Faktotums doch gerne mit demjenigen, den der Österreicher so treffend “Grantler” nennt. Fragt man, ob noch eine Larve kaschiert oder eine Trommel richtig geschränkt werden kann, so grummelt es aus dem meist nicht wirklich unaufälligen Bauch erst mal, ob man “ewig dr Duubel” sei und immer all das erledigen müsse, zu was die anderen nicht fähig seien. Aber wehe, man will ihn entlasten und versucht sich selbst – womöglich noch als Bürogummi – an handwerklichen Dingen. Da werden einem Hammer, Nägel und Leim energisch aus den Händen genommen, meist mit der Bemerkung “dasch Laferizüügs” und dann macht sich das Faktotum an die Arbeit.

Im Lexikon liest man, “Faktotum” komme vom lateinischen “fac totum”, auf deutsch “Tu alles!” Es sei ein im 16. Jahrhundert aufgekommenes Fremdwort zur Bezeichnung einer Person, die in einem Haushalt, Betrieb oder einer sonstigen Organisation eine Vielzahl von Aufgaben wahrnimmt. Eine solche Person werde auch „Mädchen für alles“ genannt. Das soll man bei einem Cliquen- oder Guggen-Faktotum aber tunlichst unterlassen, um nicht in zärtlichen Kontakt mit dessen schwieligen Händen zu kommen.

Man kann ein Faktotum schwer beleidigen. Etwa, in dem man ihm Geld geben will. Ein spendiertes Bier oder zwei, das gerne, aber “ich nimm kai Drinkgäld!”. Und man kann ein Faktotum schwer verärgern. Nämlich dann, wenn man anfängt, seine Leistungen für selbstverständlich zu nehmen. Ähnlich wie die Guggen-Mutter (s. letzte Folge dieser Serie) wird er den mit einer Flasche Wein unterlegten Dank des Obmanns an der GV zwar mit einem gemurmelten “Saich! Isch doch gar nüt gsy!” quittieren. Aber wehe, man denkt bei solcher Gelegenheit nicht an ihn. Dann kann es nämlich passieren, dass man seine Larve für die nächste Fasnacht selbst kaschieren muss.

Die Schweiz am Sonntag veröffentlicht eine Serie von Artikeln über die einzelnen Charaktere der Basler Fasnachts-Szene. Wir erhielten freundlicherweise die Erlaubnis, die Beiträge abzudrucken und veröffentlichen hier die dritte Folge. Nächsten Sonntag folgt die nächste. Gerne verweisen wir auf www.schweizamsonntag.ch Bereits erschienen:
Der Obmaa
Die Guggenmutter

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