Charaktere der Basler Fasnacht (II): Die Guggenmutter

25. Januar 2015 | Von | Kategorie: e Hampfle Räppli

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Sie ist eine Mischung aus aus Apotheke, “Dargebotener Hand” und Ersatzteillager. Immer wenn jemand aus der Guggenmusik ein Aspirin, ein Pflaster oder etwas gegen Sodbrennen braucht – in ihrer Handtasche findet sich das Nötige. Dort sind auch Nadel und Faden, Klebstift, Büroklammern, manchmal sogar ein Bostich und auf alle Fälle genügend Lippenpomade für die Bläser.

Und das Praktische ist: Sie, eben die Guggen-Mutter, steht an jedem Halt schon bereit. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass es “ihre Buebe und Meitli” an nichts fehlen soll. Notfalls eilt sie zwischen zwei Halten sogar per Taxi zu einem Guggen-Mitglied nach Hause, um den vergessenen Pullover, das Ersatzmundstück oder die nun doch dringend notwendigen Handschuhe zu besorgen.

Entsprechend geschätzt ist die Guggen-Mutter bei ihren “Zöglingen”. Kaum hat der Major am nächsten Halt abgewunken, schweifen mindestens drei suchende Augenpaare über die am Strassenrand wartende Menge. Und bald ist die Gefragte gefunden, die plötzlich geplatzte Naht am Kostüm wird geflickt, der umgeknickte Knöchel bandagiert. Nicht selten kommt es auch vor, dass nicht alle aus der “Gugge” im nächsten Restaurant verschwinden, um sich aufzuwärmen. Jemand bleibt zurück, stellt sich unauffällig neben die Guggen-Mutter und seufzt schwer und ausdauernd, bis endlich die erwartete Frage “Jo aber was hesch denn?” ertönt. Sofort brechen alle verbalen Dämme, denn die Guggen-Mutter, sie ist eben auch Klagemauer bei Krach zwischen zwei “Grachsymphoniker” oder bei Liebeskummer eines “Gugge-Myysli”.

Der ewige Dank der Musikerinnen und Musiker ist ihr gewiss, speziell erwähnt wird dies meist am Bummel oder an der GV. Dann gibt es auch den obligaten Blumenstrauss und/oder die Pralinés, welche die Geehrte sichbar verlegen und mit “Das wär doch nit nötig gsy” entgegennimmt. Ganz tief in ihrer Brust weiss sie aber: Ohne sie wäre die “Gugge” hilflos und haillos verloren.

Ach übrigens: Bei den Cliquen – und vor allem bei männlichen Trommel-Gruppen – gibt es das Phänomen in abgewandelter – und weniger beliebten Art. Auch sie ist an jedem Halt schon längst in Position, allerdings – zumindest nicht nur – aus Hilfsbereitschaft. Nein, der Göttergatte wird sofort abgefangen und an einen Zweiertisch bugsiert. Nicht, dass er noch etwas trinkt, was ihm nicht gut tut, oder in schlechte Gesellschaft gerät. Der Ärmste kann sich dann über mangelnden Spott nicht zu beklagen: “Isch dr Schatte scho do?” oder “Achtig, Alarm vo rächts!” lauten die üblichen Kommentare.

Von Zeit zu Zeit kommt es dann aber vor, dass die Trommelgruppe ganz unvorhergesehen an einem völlig unüblichen Ort Rast macht. Es weiss niemand mehr so recht, wer auf die Idee gekommen ist, vom üblichen Schema abzuweichen. Es wird aber jeweils kolportiert, ein Mitglied der Gruppe habe ein sehr zufriedenes Schmunzeln im Gesicht gehabt und sei dem Drängen seiner Kameraden, eine Runde zu spendieren, bereitwillig nachgekommen.

Die Schweiz am Sonntag hat eine Serie von Artikeln über die einzelnen Charaktere der Basler Fasnachts-Szene gestartet. Wir erhielten freundlicherweise die Erlaubnis, die Beiträge hier abzudrucken und veröffentlichen hier die zweite Folge. Nächsten Sonntag folgt die nächste. Gerne verweisen wir auf www.schweizamsonntag.ch

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