Charaktere der Basler Fasnacht (I): Der Obmaa

21. Januar 2015 | Von | Kategorie: e Hampfle Räppli

0514_basel_vorträbler_korrOhne ihn wäre eine Fasnachtseinheit weder Fasnacht, noch Einheit – denkt er. Er hält den Haufen zusammen und sorgt für einen ordentlichen Auftritt an den „scheenschte drey Dääg“. Ohne ihn… ginge es bestens – denken die meisten anderen in einer Clique oder Gugge. Man weiss ja ohnehin nicht so recht, was er überhaupt so macht. Die Rede ist vom Obmaa, manchmal auch Präsident oder (selten) liebevoll Preesi genannt.

Wann er vom einfachen Mitglied via Vorstand zum Obmaa mutierte, und warum, dass weiss man nicht mehr so recht. Der eine oder andere erinnert sich, dass er früher ganz normal gekleidet war und auch so gesprochen hat. Mit den höheren Weihen kamen aber die äusseren Insignien wie Kittel und Krawatte hinzu. Auch begann er, anders zu reden, irgendwie gestelzt oder gar salbungsvoll.

Sein „Fussvolk“ kommentierte dies erst belustigt (Will er Pfarrer werden?), dann ärgerlich (Es steigt ihm in den Kopf!), aber immer im geheimen. Ist er anwesend, wird ihm, obwohl ihn anscheinend keiner mehr mag, Anerkennung, ja sogar so etwas wie Ehrerbietung entgegengebracht. Wenn der Obmaa seine Wünsche betreffend Sujet, Routenplan oder Bummelziel anbringt, so erntet er nie offenen Widerspruch – aber hinterher, unter sich, finden es eigentlich alle „e Saich“ und dass es halt wieder mal nach seinem Kopf gehen müsse.

Ist der Obmaa mal einige Jahre im Amt, wächst der Unmut. Am Stammtisch wird darüber sinniert, ob man ihn nicht ablösen solle. Man habe da einen guten Gegenkandidaten an der Hand. Oder wenigstens mit einer grösseren Anzahl Stimmenthaltungen bei der Wahl ein Zeichen setzen müsse. Vor allem gegen Ende des Stammtisches und hoher Promillezahl steigt das allgemeine Unbehagen über den Diktator und die Überzeugung: „Da muss was passieren.“

Dann kommt die GV und das Traktandum „Wahlen“. Der Tagespräsident erwähnt, dass sich der Obmaa verdienstvollerweise für ein weiteres Jahr zur Verfügung stelle, und fragt nach Gegenkandidaturen. Die Helden des Stammtisches konsultieren angestrengt ihre Fingernägel. Bei der Wahl merken die zur Stimmenthaltung Entschlossenen erschreckt, dass sie eine verschwindende Minderheit darstellen, und beeilen sich, die Hände zur einstimmigen Wahl nach oben zu strecken. Danach, unter sich, sind sich aber alle einig: Nächstes Jahr, da passiert dann was.

Zum Schluss aber nochmals: Was macht der Obmaa eigentlich so das ganze Jahr? So richtig weiss das keiner. Aber das Fasnachts-Comité scheint sie zu lieben und schätzen. So gibt es ein spezielles Obmänner-Mähli und die neue Blaggedde wird den Obmännern und -frauen gut eine Woche vor der offiziellen Ausgabe nicht nur vorgestellt, sondern sogar geschenkt. Wenn Sie also in den letzten Tagen eines alten oder den ersten Tagen eines neuen Jahres einer würdevollen Person begegnen, die mit einem gewissen Stolz bereits eine „Goldige“ am Revers spazieren führt, dann können Sie sicher sein: Sie sind soeben einem Obmaa begegnet.

Die Schweiz am Sonntag hat eine Serie von Artikeln über die einzelnen Charaktere der Basler Fasnachts-Szene gestartet. Wir erhielten freundlicherweise die Erlaubnis, die Beiträge hier abzudrucken und veröffentlichen hier die erste Folge. Nächsten Sonntag folgt die nächste. Gerne verweisen wir auf www.schweizamsonntag.ch

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