Ein Dieb, dreist und dumm

30. Januar 2013 | Von | Kategorie: Hyylgschichte

Bei den Kolleginnen und Kollegen herrschte erst einmal Unglaube, denn wer klaut schon ein Fasnachtskostüm? Es sei sicher nur umgehängt worden, runtergefallen oder von anderen Kleidern verdeckt, wurde Käthy getröstet, und es begann eine intensive Suchaktion. Diese aber blieb ohne positives Ergebnis: Das «Goschtyym» war zweifelsohne verschwunden. Irgendjemand musste sich durch die Hintertüre eingeschlichen haben, als diese während der Aufbauarbeiten des Basler Fernsehens offen stand. Und dieser Jemand hatte nicht nur das Kostüm gestohlen, sondern mit selbigem auch noch diverse  Pins und Plaketten, an denen Käthy sehr hing.

Ein notdürftiger Ersatz zur fasnächtlichen Bekleidung der mittlerweile aus begreiflichen Gründen stinksauren Käthy war zwar bald gefunden, was die Laune aber auch nicht heben konnte. Pflichtbewusst wie immer kümmerte sich die Bestohlene zwar um die Organisation der Tombola, doch in Gedanken dürfte sie den unbekannten Dieb wohl tausend Tode sterben gelassen haben. Trotzdem: Der Schlussoobe ging glanzvoll über die Bühne, auch der Auftritt der Miggeli konnte sich – wenn auch im Charivari – sehen lassen, und danach, bei einigen Gläsern Weisswein, war die Laune spürbar verbessert. Als sich der BSG-Preesi verabschiedete, weil er noch an den Kehruus im «Plaza» wollte, hatte Käthy bereits ihren Humor wieder gefunden: «Wenn Du dert öpper in mym Goschtyym gsehsch, drno gib em linggs und rächts e Gläbber!» Lachend entgegnete der Preesi, dass wohl kaum einer so blöd sein würde, im gerade erst gestohlenen Fasnachtsdress am offiziellen Ändstraich teilzunehmen. Käthys Tochter Nicole, welche ebenfalls ins «Plaza» wollte, versprach aber trotzdem, die Augen aufzuhalten.

Der Besuch des Ändstraichs sollte aber eine unerwartete Wendung nehmen. Nach gelungenem Auftritt in der «Bängglerstube» des «Plaza» widmete sich der BSG-Preesi gerade gemütlich einem Bier und den ebenfalls anwesenden Mitgliedern einer befreundeten Gugge, als ihn eine enorm aufgeregte Nicole am Arm packte und sofort wegschleppte. «Lueg emool das Goschtyym dert hinde, das kenne mir doch», meinte sie, und tatsächlich: Ein nicht sehr gepflegter und noch weniger nüchterner Typ war doch ganz in der Art der «Miggeli» angezogen. Die beiden BSGler behielten aber erst mal die Ruhe und fragten den Betreffenden höflich, woher er denn so ein schönes Kostüm habe. Der beharrte darauf, rechtmässig in den Besitz gekommen zu sein, und dies sogar noch, als man ihn auf den BSG-Jubiläums-Pin hinwies, der am Kragen des Kostüms hing und der nur an aktive Schnitzelbänggler abgegeben worden war. Und dass der ziemlich heruntergekommene Typ kein aktiver «Bänggler» war, dessen war sich der BSG-Preesi sicher – und wurde entsprechend energischer: «Hesch jetz noch ai Chance – zieh das Goschtyym ab und verrais, drno isch alles erledigt. Sunsch hool y d Bolizey!» Der – wie es in Polizeiberichten so schön heisst – «mutmassliche Täter» wollte von Ausziehen aber nichts wissen, und so blieb eben nichts anderes übrig, als via Ändstraich-OK die Hermandad herbeizurufen.

Es dauerte denn auch nicht lange, bis sich zwei Uniformierte den Weg rauf an die Bierschwemme bahnten – und die Fronten waren schnell geklärt: «Y glaub, mir kenne uns», meinte der eine Polizist zum Kostüm-Klauer, womit den Umstehenden klar wurde, dass es sich wohl um einen «Stammkunden» des Clarapostens handelte. Und genau dahin ging nun die Reise; die diebische Elster musste ihr Nest in einer Zelle beziehen, die beiden BSGler wurden zur Aufnahme der Anzeige in eines der Büros gebeten. Dass es sich bei der Bekleidung des Schmuddeltypens um das gestohlene Käthy-Kostüm handelte, war auch den Polizisten klar, nur bestand da ein Problem: Solange kein Geständnis da war, hätten Kostüm und Plaketten als Beweismittel in staatlicher Obhut bleiben müssen.

Die beiden Polizisten bemühten sich nun intensiv darum, eine schnellere Lösung zu erreichen. Mit immer neuen Indizien wurde dem Übeltäter klar gemacht, dass er keine andere Chance habe, als seine Tat zuzugeben. Und nach einer halben Stunde guten Zuredens sah er es dann auch ein und sprach den entscheidenden Satz: «Y gib’s jo zue, y ha’s gstohle.» Einer formlosen Übergabe des Diebesguts an die Tochter der Bestohlenen stand damit nichts mehr im Wege, und die beiden Bänggler konnten sich mit einem erleichterten Dankeschön an die Beamten wieder auf den Weg machen. Während der Dieb den Rest des Kehruus in der Zelle damit verbrachte, seine Promille loszuwerden, sorgten die beiden BSGler nun in sehr fröhlicher Laune dafür, dass ihre Lebern auch noch was zu tun bekamen – und am nächsten Morgen bekam eine nicht wenig überraschte Käthy Nachricht, dass «Goschtyym» und Erinnerungsstücke wieder in den richtigen Händen waren.

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